Ziel der Untersuchung
Teilnehmende Patienten
Die Kurorte
Die Kurbehandlung
Wöchentliche Gruppen-Bewegungstherapie
Major target parameters
Zielparameter, Ergebnisse und Schlußfolgerungen
Ziel der Untersuchung
Die vorliegende Studie wurde durchgeführt, um den Nutzen von Kuren in Kombination mit Bewegungsübungen und nachfolgenden
wöchentlichen Gruppen-Bewegungstherapien bei Bechterew-Patienten zu untersuchen. Hierzu fuhren 2 Gruppen von Patienten
zur Kur in 2 unterschiedliche Kurorte. Die Ergebnisse dieser beiden Gruppen, die Kuren durchführten, wurden mit den
Ergebnissen von Patienten verglichen, die als sogenannte Kontrollgruppe nicht zu einem Kurort fuhren, sondern zu Hause
blieben. Die Patienten aus der Kontrollgruppe behielten ihre Standardbehandlung bei, die - sofern nötig - aus der Einnahme
von Entzündungshemmern sowie der wöchentlichen Teilnahme an den von den lokalen Bechterew-Vereinigungen organisierten
Gruppen-Bewegungstherapien bestand.

Teilnehmende Patienten
Mit Unterstützung verschiedener Bechterew-Vereinigungen aus ganz Holland wurden die Patienten aufgefordert, an der
Untersuchung teilzunehmen. Jeder der sich anmeldete und nicht länger als 20 Jahre an der Erkrankung Morbus Bechterew
litt, wurde untersucht. Es wurde darauf geachtet, ob im Röntgenbild deutliche Zeichen der Entzündung oder der
Verknöcherung im Bereich des Kreuz-Darmbein-Gelenkes nachweisbar waren, und ob mehr als 3 Monate Schmerzen und Steifheit
oder funktionelle Einschränkungen vorhanden waren. Zudem wurde gefragt, ob es dem Patienten möglich wäre, im April 1999
für 3 aufeinanderfolgende Wochen frei zu bekommen, um an der Kurortbehandlung teilzunehmen. Patienten, die an der
wöchentlichen Gruppen-Übungstherapie nicht regelmäßig teilnehmen konnten oder wollten, wurden ausgeschlossen. Zudem
waren Schwangerschaft, Claustrophobie oder ausgeprägte Erkrankungen von Lunge, Herz, Leber oder Nieren Ausschlußgründe.
Insgesamt meldeten sich 332 Bechterew-Patienten zur Teilnahme an der Untersuchung an. Hiervon wurden 111 Patienten
ausgeschlossen (zum Beispiel weil sie bereits zu lange an der Erkrankung litten oder weil die typischen Röntgenzeichen
im Bereich des Ileosakralgelenkes nicht nachweisbar waren). 91 Patienten zogen letztendlich aus unterschiedlichen Gründen
ihre Bereitschaft zur Teilnahme zurück (z. B. kein Interesse, keine Zeit, etc.). Insgesamt wurden 120 Patienten nach dem
Zufallsprinzip aufgeteilt (randomisiert), so daß 3 Gruppen von je 40 Patienten gebildet werden konnten. Die Patienten aus
Gruppe 1 führten eine kurmedizinische Behandlung in Bad Hofgastein/Österreich durch. Die Patienten der Gruppe 2 erhielten
eine Kurbehandlung im Thermalbad Arcen in den Niederlanden. Die Patienten aus der Kontrollgruppe blieben zu Hause und
führten die wöchentliche Gruppen-Übungstherapie unverändert weiter. Nach Ablauf der Studie konnten auch Patienten aus
der Kontrollgruppe im Rahmen des Studienprogramms unentgeltlich zur Behandlung in einen Kurort fahren, jedoch wurden die
Ergebnisse dieser Kur nicht in die Untersuchung einbezogen.

Die Kurorte
Kuren wurden in 2 verschiedenen Orten durchgeführt: in Bad Hofgastein, Österreich (Gruppe 1) und im Thermalbad Arcen,
Niederlande (Gruppe 2) für 3 aufeinanderfolgende Wochen im April 1999. Die Patienten aus Gruppe 1 fuhren gemeinsam mit
einem Bus zum Kurort Bad Hofgastein, wo sie in einem Hotel untergebracht waren. Die Kurbehandlungen wurden in dem
Kurort selbst sowie im Gasteiner Heilstollen durchgeführt. Die Patienten aus Gruppe 2 fuhren selbständig oder mit
dem Bus zum Thermalbad Arcen und blieben dort in einem nahegelegenen Hotel. Hier wurde die gesamte Kurbehandlung im
Thermalbad Arcen durchgeführt.
Thermentempel Bad Hofgastein und Thermalbad Arcen
In beiden Kurorten sind im Thermalbad mehrere Hallen- und Freibäder vorhanden. Die Wassertemperatur liegt bei
ungefähr 35°C. Das Wasser enthält verschiedene Mineralstoffe, die möglicherweise einen günstigen Einfluß auf die
Krankheitsaktivität haben. In Arcen wird das Thermalwasser aus einer Tiefe von 892 m aus der Erde gepumpt. Das
Thermalwasser aus Bad Hofgastein entstammt einer Quelle im nahegelegenen Bad Gastein, von wo es durch ein spezielles
Leitungssystem nach Bad Hofgastein geführt wird.

Gasteiner Heilstollen
Der Gasteiner Heilstollen war in früherer Zeit ein Bergbaustollen. Vor ungefähr 50 Jahren wurde dort durch die
Bergarbeiter - anstelle von Gold - ein warmes und feuchtes Klima angetroffen, das gut gegen rheumatische Beschwerden
zu helfen schien. Die Temperatur in dem Stollen liegt zwischen 38,0 und 41,5°C und die Luftfeuchtigkeit zwischen 70
und 98%. Zudem findet sich das radioaktive Edelgas Radon, das sich günstig auf die Aktivität verschiedener Erkrankungen
auswirken soll. Die Patienten fahren mit einem speziellen Zug etwa 2 km in den Berg, wo sie in besonderen Therapiestationen
für etwa 1 Stunde auf Holzbetten liegen bleiben. Nach der Ausfahrt aus dem Heilstollen ruhen die Patienten für eine weitere
halbe Stunde.


Die Kurbehandlung
Die Kurbehandlung wurde an 5 Tagen in der Woche durchgeführt. Die Physiotherapeuten beider Kurorte hatten zuvor
eine Schulung besucht, um eine möglichst übereinstimmende Behandlung an beiden Kurorten zu gewährleisten. Jeden Morgen
begannen die Patienten die Therapie mit einer 1-stündigen Bewegungsübung in einem Turnsaal sowie einer 1/2 Stunde raschem
Gehen. Danach folgte eine selbständig durchgeführte Haltungskorrektur auf dem Bett. Hierzu sollten die Patienten so
flach wie möglich auf dem Rücken liegend im Bett verbringen. Diese Haltungskorrektur sollten sie am Anfang 14 Minuten
beibehalten und danach langsam täglich steigernd auf 1/2 Stunde ausdehnen. Nachmittags fuhren die Patienten jeden 2.
Tag in den Heilstollen (Österreich) oder - als Vergleichstherapie hierzu - in die Sauna (Niederlande). Insgesamt wurden
10 Heilstollen-/Saunabehandlungen durchgeführt. An den anderen Tagen machten die Patienten am Nachmittag Übungstherapien
in einem Thermalbad (Hydrotherapie) für 1/2 Stunde, gefolgt durch 1/2 Stunde freiem Schwimmen im Thermalwasser sowie einer
weiteren Stunde Sporttherapie. Es wurden keine individuellen Therapien wie z. B. Massagen verabreicht. An den Wochenenden
sollten sich die Patienten ausruhen und erholen.

Wöchentliche Gruppen-Bewegungstherapie
Die Patienten aus der Kontrollgruppe blieben zu Hause und gingen ihren gewohnten täglichen Aktivitäten nach. Sie
führten einmal pro Woche die übliche durch die Patientenvereinigung organisierte Gruppen-Übungstherapie durch. Diese
Gruppen-Übungstherapie bestand zumeist aus einer 1-stündigen Bewegungsbehandlung in einem Turnsaal, 1 Stunde Sport und
1 Stunde Übungstherapie in einem Bewegungsbad unter Anleitung durch einen ausgebildeten Therapeuten. Nachdem die
Kurtherapie beendet war, führten alle Patienten noch die wöchentliche Gruppen-Übungstherapie für die Dauer von 9
Monaten nach Kurende durch. Eine zusätzliche Kurbehandlung während dieser Periode war nicht gestattet.

Wichtigste Zielparameter
Allen Patienten wurde vor der Kur, 1 Woche nach Kurende sowie 3, 6 und 9 Monate nach Kurende ein Fragebogen
zugeschickt, den sie wahrheitsgemäß ausfüllen sollten. Der Fragebogen umfaßte Fragen zu verschiedenen Aspekten der
Erkrankung Morbus Bechterew (z. B. zur Krankheitsaktivität, jedoch auch zur Lebensqualität, Arbeitsproblemen, etc.).
Die wichtigsten Zielparameter dieser Untersuchung waren: Funktionsmaße, allgemeines Wohlbefinden des Patienten,
Schmerzintensität, Dauer der Morgensteifigkeit.

Zielparameter, Ergebnisse und Schlußfolgerungen
Eine Übersicht der wichtigsten Zielparameter, der Ergebnisse sowie der Schlußfolgerungen finden Sie hier.

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