Patienten
Zusammenfassung der Veränderungen
Veränderungen in Funktion, Schmerz und allgemeinem Wohlbefinden
Übrige Untersuchungsbefunde
Bewertung
Schlussfolgerung
Was muss noch geschehen?
Patienten
In Tabelle 1 sind die jeweiligen Kennzeichen von jeder der 3 Gruppen angeführt. Im Durchschnitt war der Anteil der
Männer in den beiden Kurgruppen etwas höher als in der Kontrollgruppe. Die Lebenszeit, die Krankheits- und Beschwerdedauer
waren in allen Gruppen weitgehend gleich. Alle Patienten der beiden Kurgruppen haben die Kur komplett absolviert. Im Mittel
waren 99% der Patienten bei jeder der Behandlungen während der Kur anwesend. Ein Patient aus der Kontrollgruppe nahm nach 3
Monaten nicht weiter an der Untersuchung teil. Alle Übrigen Teilnehmer haben das komplette Untersuchungsprogramm während der
gesamten Periode durchgeführt.

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Gruppe 1 Bad Hofgastein |
Gruppe 2 Arcen |
Kontrollgruppe (zu Hause) |
| Mann/Frau |
25/15 |
28/12 |
34/6 |
| Mittleres Lebensalter in Jahren |
48 |
49 |
48 |
| Mittlere Anzahl an Jahren seit Diagnosestellung Morbus Bechterew |
11 |
12 |
10 |
| Mittlere Anzahl von Jahren seit Symptombeginn |
19 |
19 |
15 |
Tabelle 1. Kennzeichen der Gruppen aus der Kuruntersuchung
Zusammenfassung der Veränderungen
In Abbildung 1 sind die 4 wichtigsten Zielparameter für jede Gruppe zusammengefaßt. Die Veränderungen aller 4 Fragelisten
zur Funktion, allgemeinem Wohlbefinden, Schmerz und Steifigkeit sind in einer Zahl zusammengefaßt, um ein allgemeines
Gesamtbild von den Veränderungen zu erreichen. Jede Säule gibt die mittleren Veränderungen aller Patienten bei einer
jeweiligen Gruppe im Vergleich zu den Werten vor der Kur wieder. Eine positive Zahl bedeutet eine Verbesserung im
Vergleich zu dem Wert vor der Kur. Eine negative Zahl würde eine Verschlechterung bedeuten, was jedoch nicht gefunden
wurde. In dieser Abbildung ist zu sehen, daß in der Kontrollgruppe im Durchschnitt während der gesamten Studienzeit
kaum (1 Woche und 3 Monate) oder keine (6 und 9 Monate nach Kurbeginn) Veränderungen zu finden sind. Das entspricht
auch dem, was wir erwartet hatten. Eine Woche nach Kurende sind beide Kurgruppen im Vergleich zu der Zeit vor der Kur
deutlich verbessert. Sie haben also weniger Schmerzen und weniger Beschwerden durch Steifheit oder Funktionseinschränkungen
und fühlen sich allgemein deutlich besser. Wenn diese Verbesserungen mit den Ergebnissen der Kontrollgruppe verglichen
werden, dann finden sich in den beiden Kurgruppen statistisch signifikant bessere Ergebnisse. Anders ausgedrückt bedeutet
das, daß die gefunden Unterschiede nicht auf Zufall beruhen, sondern als direkte Folge der Kurbehandlung anzusehen sind.
3 Monate nach der Kur zeigt Gruppe 1 eine weitere Verbesserung. Die Patienten aus dieser Gruppe fühlen sich also noch
besser als kurz nach der Kur. Zwischen Gruppe 2 und der Kontrollgruppe ist der Unterschied ab 3 Monate nach der Kur nicht
mehr statistisch signifikant, obwohl diese Gruppe noch immer deutlich besser ist als vor der Kur. 6 Monate nach der Kur
hat die Verbesserung in Gruppe 1 leicht abgenommen, aber der Unterschied zwischen Gruppe 1 und der Kontrollgruppe bleibt
noch immer deutlich nachweisbar. 9 Monate nach der Kur wird im Vergleich zu vor der Kur in Gruppe 1 noch immer eine deutliche
Verbesserung gefunden, aber diese war nicht mehr statistisch signifikant besser im Vergleich zu der Kontrollgruppe.
Die Ergebnisse der Gruppe 2 waren bereits fast so wie vor der Kur.

Abbildung 1. Zusammenfassendes Gesamtbild der Verbesserungen nach der Kur pro Gruppe (Ergebnisse aus den 4 wichtigsten Fragebögen)
Veränderungen in Funktion, Schmerz und allgemeinem Wohlbefinden
In Abbildung 2, 3 und 4 finden sich die Veränderungen aller Gruppen in Bezug auf die 3 der 4 wichtigsten Zielparameter.
Die Morgensteifigkeit ist weggelassen. Die Morgensteifigkeit schien sich nach der Kur kaum zu verändern. Die 3 anderen
Werte zeigten in beiden Kurgruppen deutliche Verbesserungen.

Abbildung 2. Wert für Körperfunktionen
Die Verbesserung in den Funktionsparametern war in beiden Kurgruppen eine Woche nach der Kur am größten. Im Vergleich
zu vor der Kur waren die Funktionswerte 20 - 25% verbessert. Danach nahm die Verbesserung langsam ab. 9 Monate nach der
Kur ist in Gruppe 1 noch immer ein Verbesserung von 12% im Vergleich zu vor der Kur zu finden, in Gruppe 2 sind die
Ausgangswerte wieder erreicht. Zu den Untersuchungszeitpunkten "1 Woche" und "3 Monate" zeigt die Kontrollgruppe keine
Veränderungen, zu den Untersuchungszeitpunkten, zu 6 und 9 Monate zeigt sie eine leichte Verschlechterung.
Abbildung 3. Schmerzausmaß
In beiden Kurgruppen war das Schmerzausmaß nach der Kur deutlich verbessert. Eine Woche nach der Kur war die
Verbesserung in Gruppe 2 am höchsten, nämlich um 30% verbessert gegenüber dem Zustand vor der Kur. 30% Verbesserung
wurde auch in Gruppe 1 drei Monate nach der Kur gefunden. In Gruppe2, aber auch in der Kontrollgruppe wurde zu Ende
der Untersuchungsperiode eine geringe Zunahme der Schmerzintensität gesehen, während Gruppe 1 noch immer etwas weniger
Schmerzintensität zeigte als vor der Kur.
Abbildung 4. Allgemeines Wohlbefinden
Das allgemeine Wohlbefinden war nach der Kur ebenfalls stark verbessert. Gruppe 2 zeigte die größte Verbesserung 1
Woche nach der Kur (35%), Gruppe 1 zeigte mit 45% die größte Verbesserung 3 Monate nach der Kur. auch die Kontrollgruppe
zeigte über die gesamte Studiendauer eine kleine Verbesserung. 9 Monate nach der Kur war Gruppe 1 noch immer 22% besser
als vor der Kur.

Übrige Untersuchungsbefunde
Neben der Funktion, der Schmerzintensität, der Steifigkeit und dem allgemeinen Wohlbefinden wurdennoch andere
Zielparameter untersucht wie zum Beispiel Lebensqualität, Krankheitsaktivität, nächtliche Schmerzen, Müdigkeit und
die Einnahme von Entzündungshemmern. Auch in diesen Zielparametern waren Verbesserungen zu sehen, bei den meisten
sogar noch 9 Monate nach der Kur.

Bewertung
Die Ergebnisse der vorliegenden Studie zeigen, dass eine 3-wöchige Kurbehandlung in Kombination mit Übungsprogrammen
und einer in Folge weitergeführten Gruppenübungsbehandlung im Vergleich mit einer zu Hause gebliebenen Kontrollgruppe
die allein die wöchentliche Gruppenübungstherapie absolviert deutliche Verbesserungen bringt, die auch 9 Monate nach
der Kur nachweisbar sind. Die Ergebnisse der Gruppe, die in Österreich die Kurbehandlungen absolviert hat scheinen
besser und länger anhaltend zu sein als die Ergebnisse in der Gruppe, die in den Niederlanden das Kurprogramm absolviert
hat. Die vorliegende Studie hatte das Ziel, die allgemeine Effektivität von Kuren zu untersuchen und nicht zu untersuchen
welche Kurbehandlungen für welchen Effekt verantwortlich sind. Wahrscheinlich sind die guten Ergebnisse die Folge einer
Kombination aller Faktoren. Zuallererst können die Effekte der Kurbehandlung selbst zugeschrieben werden. Baden im warmen
Wasser entspannt die Muskulatur und verbessert die Beweglichkeit der Gelenke. Körperliche Übungen verbessern die
Ausdauerleistungsfähigkeit und die allgemeine Beweglichkeit von Patienten mit Morbus Bechterew. Daneben kann die
Exposition gegenüber Radon im Gasteiner Heilstollen (Gruppe 1) noch zu zusätzlichen Effekten geführt haben. Von
Radon wird behauptet, dass es günstige Einflüsse auf das Abwehrsystem haben kann und somit die Krankheitsaktivität
verschiedener Erkrankungen, so auch bei Morbus Bechterew verringern kann. Verschiedene andere Faktoren können ebenfalls
die günstigen Ergebnisse beeinflußt haben. Dabei ist auch an die schöne Umgebung zu denken, an den Kontakt mit
Leidensgenossen, an die Entpflichtung von Aufgaben im Haushalt und am Arbeitsplatz etc. Wir denken jedoch, dass
diese Faktoren allenfalls einen kurzdauernden Einfluss haben können und die wirklichen Langzeitergebnisse auf die
Kurbehandlung zurückzuführen sind.

Schlussfolgerung
Zusammenfassend können wir sagen, dass eine 3-wöchige Kurbehandlung mit Übungstherapie sehr viel günstigere
Ergebnisse gezeigt hat, als eine alleinige wöchentliche Übungstherapie. Die günstigen Resultate sind auch noch 9
Monate nach der Kur deutlich nachweisbar. Kurbehandlungen können also - zusätzlich zu den üblichen Behandlungen
mit entzündungshemmenden Medikamenten und Übungsbehandlungen - eine sinnvolle zusätzliche Massnahme sein.

Was muss noch geschehen?
In Kürze möchten wir die Versicherungen von dem Nutzen von Kuren überzeugen. Wir würden es gerne sehen, wenn in
Zukunft Versicherungen auch die Kosten von Kurbehandlungen übernehmen würden oder zumindest einen Zuschuss gewährleisten.
Wir hoffen, dieses Ziel durch Diskussionen mit Versicherungen erreichen zu können.

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